Meditation – nicht nur im Sitzen
Meditation bedeutet anzuhalten und wahrzunehmen, was gerade ist. Mit wacher und freundlicher Aufmerksamkeit. Ohne etwas herstellen, verbessern oder beseitigen zu müssen.
Meditation geschieht nicht nur auf einem Kissen. Sie geschieht im Gehen, im Atmen, beim Teetrinken, beim Zuhören und mitten im Alltag. Alles, was ich aufmerksam tue, kann zu einer Form der Meditation werden.
Manchmal genügt ein bewusster Atemzug.
Meditation ist kein Werkzeug
Das Wort Achtsamkeit wird heute häufig verwendet. Es erscheint als Methode, um leistungsfähiger, gelassener oder erfolgreicher zu werden. In diesem Verständnis wird Achtsamkeit zu einem Werkzeug der Selbstoptimierung.
Von meinem Lehrer Thich Nhat Hanh habe ich etwas anderes gelernt: Meditation ist kein Werkzeug. Sie ist eine Haltung und eine Praxis.
Ein Werkzeug nehme ich zur Hand, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Meditation beginnt dort, wo ich aufhöre, ein Ergebnis erzwingen zu wollen. Ich nehme wahr, was da ist – auch Unruhe, Schmerz, Freude, Widerstand und Müdigkeit.
Meditation verändert nicht das Leben nach einem festen Plan. Sie verändert die Art, wie ich dem Leben begegne.
Ein Atemzug schafft Raum
Ein bewusstes Ein- und Ausatmen verändert die äußere Situation zunächst nicht. Es kann jedoch die Sicht auf sie verändern.
Zwischen dem, was geschieht, und unserer unmittelbaren Reaktion entsteht ein Moment des Innehaltens. In diesem Raum werden Wahrnehmung und eine andere Antwort möglich. Dieser Gedanke verbindet die Meditation mit Viktor Frankls Verständnis innerer Freiheit.
Der Atem ist dabei kein Trick zur Beruhigung. Er erinnert uns daran, dass wir leben. Er holt uns aus dem Kreisen der Gedanken zurück in den Körper und in den gegenwärtigen Augenblick.
Einatmend weiß ich: Ich atme ein.
Ausatmend weiß ich: Ich atme aus.
Mehr braucht es für den Anfang nicht.
Meditation in Bewegung
Meditation kann still sein. Sie kann sich ebenso bewegen.
Wenn ich gehe und weiß, dass ich gehe, wird Gehen zur Meditation. Wenn ich Tee trinke und den Tee wirklich wahrnehme, wird Teetrinken zur Meditation. Wenn ich einem Menschen zuhöre, ohne innerlich bereits meine Antwort vorzubereiten, wird Zuhören zur Meditation.
Auch Autofahren, Kochen oder Zähneputzen können auf diese Weise eine andere Qualität bekommen. Entscheidend ist nicht, was ich tue. Entscheidend ist, wie ich dabei anwesend bin.
So findet Meditation nicht außerhalb des Alltags statt. Sie führt mitten hinein. Meditation ist immer hier und jetzt.
Ankommen im eigenen Leben
Meditation schafft keinen Zustand, in dem schwierige Gedanken und Gefühle verschwinden. Sie ermöglicht, ihnen anders zu begegnen.
Es geht nicht darum, Ärger, Angst oder Trauer wegzuatmen. Sie gehören für diesen Augenblick zu unserem Erleben. Wir nehmen sie wahr, ohne ihnen die ganze Wirklichkeit zu überlassen.
In der Stille entsteht ein „donnerndes Schweigen“. Nicht immer ruhig und nicht immer angenehm. Doch in diesem Schweigen wird hörbar, was im Lärm des Alltags untergeht.
Einatmend: Ich bin angekommen.
Ausatmend: Ich bin zu Hause.
Einatmend: Ich bin hier.
Ausatmend: Ich bin im Jetzt.
Einatmend: Ich bin fest.
Ausatmend: Ich bin frei.
Einatmend: Im Unendlichen.
Ausatmend: Verweile ich.
Meditation gemeinsam erfahren
Meditation ist eine persönliche Praxis. Sie braucht zugleich Gemeinschaft, Austausch und gute Weggefährten.
In meinen Kursen und Seminaren verbinde ich Sitzen, Gehen, bewusstes Atmen, Stille und Gespräch. Es geht nicht darum, Meditation richtig zu machen. Wir sammeln Erfahrungen und entdecken, welche Form im eigenen Leben trägt.
Die Kieselsteinmeditation nach Thich Nhat Hanh eröffnet einen besonders einfachen Zugang zu dieser Praxis.
Wenn Sie Interesse an einem Meditationskurs oder an einem Angebot für eine Gruppe oder Einrichtung haben, erreichen Sie mich telefonisch oder per E-Mail.
Telefon: 09721 4998140
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