Wenn ein Mensch sich das Leben nimmt, gerät die vertraute Ordnung aus den Fugen. Für diejenigen, die zurückbleiben, gibt es keine schnellen Antworten und keinen vorgegebenen Weg.
Im eigenen Haus geht das Licht aus. Alles steht still. Nichts ist mehr, wie es vorher war. Der Weg zurück ins Leben ist lang und braucht Geduld – oft Jahre. Er führt nicht vom geliebten Menschen fort, sondern mit ihm und mit der Liebe weiter. Mit der Zeit kann sich wieder etwas öffnen, das dem eigenen Weiterleben Sinn zutraut.
Viktor Frankl spricht von der Trotzmacht des Geistes: von der Fähigkeit, dem Schweren und dem, was nicht mehr verändert werden kann, ein Trotzdem entgegenzusetzen. Dieses Trotzdem ist keine Forderung. Es beginnt im Kleinen, zeigt sich im Alltag: trotzdem aufstehen, trotzdem einkaufen, trotzdem essen, trotzdem leben, trotzdem lieben – jeden Tag wieder neu.
Trauerbegleitung bedeutet, den Suizid nicht erklären zu müssen, sondern dem Geschehen einen Namen zu geben und anzuerkennen, welche Bedeutung dieser Tod für das weitere Leben hat. Das Wort Suizid darf und muss ausgesprochen werden. Das Erlebte soll weder vertuscht noch hinter vorsichtigen Worten verborgen werden. Auch Schuld und Scham brauchen Sprache, damit ein Mensch mit seinen Fragen, seinen Gefühlen und seiner Verwirrung nicht allein bleibt.
Deshalb heißt Begleitung für mich, einem trauernden Menschen zur Seite zu stehen, zuzuhören und gemeinsam auszuhalten, was kaum auszuhalten ist. Gefühle und Fragen wollen und sollen ihren Platz haben. Auch dort wo Worte fehlen, darf Raum entstehen.
In der Trauer- und Beziehungsbegleitung nach einem Suizid geht es darum, für eine Zeit gemeinsam in dieselbe Richtung zu schauen: auf den geliebten Menschen, der fehlt, auf den Verlust, auf die Liebe, die bleibt, und auf das Leben, das irgendwann wieder Raum bekommen will.
Fragen, die bleiben
Wenn das eigene Kind oder ein Mensch, den ich liebe, durch Suizid stirbt, bleiben neben der Trauer oft quälende Fragen:
Warum habe ich es nicht gesehen?
Warum konnte ich ihn/sie nicht schützen?
Was habe ich übersehen?
Trage ich Schuld?
Ich kenne diese Fragen nicht nur aus meiner Arbeit mit betroffenen Eltern. Mein Sohn Tilman war 23 Jahre alt, als er durch Suizid starb.
Seitdem beschäftige ich mich mit dem, was in einem jungen Menschen geschieht, wenn sich sein innerer Möglichkeitsraum immer weiter verengt. Und mit dem, was dieser Tod mit uns macht, die zurückbleiben.
Schuld, Scham und Verantwortung
Schuld und Scham begleiten oft über Jahre. Heute steht für mich eine andere Frage im Mittelpunkt:
Muss es überhaupt um Schuld gehen?
Wir tragen Verantwortung füreinander. Wir lieben unsere Kinder, begleiten sie und möchten sie beschützen. Doch wir verfügen nicht über ihr Innerstes und nicht über ihr Leben.
Mit der Zeit kann dieser Gedanke Raum gewinnen:
Deine Verantwortung hat eine Grenze.
Deine Liebe nicht.
Die Beziehung und die Liebe bleiben
Trauer entsteht dort, wo Menschen tief miteinander verbunden waren und sind. Der Tod beendet das Leben eines Menschen. Die Beziehung und die Liebe müssen damit nicht enden.
Es geht nicht darum, ein Kind „loszulassen“. Es geht darum, der Liebe einen neuen Platz im eigenen Leben zu geben.
Der Tod hat das Leben verändert. Nicht die Liebe.
Und genau deshalb führt das Bild des Labyrinths nicht aus der Liebe heraus. Es führt mit der Liebe weiter durch das Leben.
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In meinem ausführlichen Artikel schreibe ich als Vater und als Begleiter über den Suizid junger Menschen, über den Tunnel einer schweren inneren Krise, über Schuld und Scham, über die Grenzen elterlicher Verantwortung und über die unterschiedlichen Wege von Paaren.
Es geht um die Beziehung zum eigenen Kind, die auch über seinen Tod hinaus weiterbesteht, und um Wege, auf denen nach und nach wieder mehr Leben entsteht.
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Ein Stück des Weges gemeinsam
Wenn Sie Ihr Kind durch Suizid verloren haben und einen Menschen suchen, mit dem Sie Ihre Fragen, Ihre Trauer oder auch Ihr Nichtwissen teilen können, dürfen Sie gerne Kontakt mit mir aufnehmen.
Sie müssen noch nicht wissen, wie es weitergeht. Für den Anfang genügt ein Mensch, der absichtslos ein Stück des Weges mitgeht.
Für Fragen oder ein erstes Gespräch erreichen Sie mich telefonisch oder per E-Mail.
Telefon: 09721 4998140
E-Mail: kontakt@supervision-philipps.de

