
Eine hypnosystemische Handreichung
für Übergänge und Verluste…
Ein Bild zum Anfang
Stellen Sie sich Wanderschuhe vor.
Gute, alte Wanderschuhe.
Sie haben viel erlebt.
Regen. Steine. Umwege.
Jetzt gehen die Nähte auf.
Nicht alles hält mehr fest.
Die Schuhe sehen anders aus.
Jedoch:
Ich kann noch mit ihnen gehen.
Nicht elegant.
Doch zuverlässig genug.
So ist es wohl auch mit dem Leben.
Wenn etwas nicht mehr passt
Immer wieder geht etwas auseinander.
Eine Beziehung.
Ein Job.
Ein Plan.
Oder ein Lebensabschnitt.
Das fühlt sich an wie:
„Damit habe ich jetzt nicht gerechnet.“
Und dann stellen sich mahnende, innere Stimmen ein,
die sich auf der Schulter wie „Aufhocker“ festsetzen..
wie ein innerer Reparaturdienst… den ich nicht bestellt habe:
„Reiß dich zusammen!“
„Das muss wieder wie früher werden!“
Aus hypnosystemischer Sicht sage ich dazu:
Alles Verhalten macht Sinn.
Auch das Festhalten.
Auch das Jammern.
Auch das Nicht-weiter-wissen.
Denn jede innere Wahrnehmung will gehört werden.
Manche können nur laut rufen.
Andere schweigen beleidigt.
Übergänge sind keine Defekte
Ein Übergang ist kein Fehler.
Er ist eher wie ein Bahnsteig.
Ich stehe da.
Der alte Zug ist weg.
Der neue kommt noch.
Das Problemerleben ist:
Niemand hat uns beigebracht,
wie man gut wartet.
„Ich steh hier nicht rum.
Ich übe Zukunft.“
…könnte ich humorvoll anmerken..
Und genau darum geht es.
Orientierung, wenn der Boden wackelt
Hypnosystemisch bedeutet hier:
Wir schauen nicht nur auf das Problem-erleben.
Wir schauen auf Beziehungen.
Auf innere Stimmen.
Auf Möglichkeiten.
Eine einfache Frage kann helfen:
„Was hält noch?“
Nicht:
Was ist kaputt?
Sondern:
Was trägt mich noch ein Stück?
• Ein Mensch, der zuhört
• Eine Gewohnheit, die guttut
• Ein Gedanke wie: Ich darf langsam sein
Das sind die „alten Schnürsenkel“.
Nicht schön.
Aber brauchbar.
Verluste würdigen
Was gegangen ist, war wichtig.
Sonst würde es nicht fehlen.
Ich darf traurig sein.
Ich darf wütend sein.
Ich darf auch lachen –
manchmal aus Versehen.
Humor ist kein Weglachen.
Humor ist ein tiefes Durchatmen mit Worten.
Kleine innere Handreichung
Wenn Sie mögen, probieren Sie das:
• Setzen Sie sich bequem hin
• Denken Sie an Ihre „aufgegangenen Nähte“
• Und fragen Sie sich leise:
„Was in mir weiß trotzdem, wie Gehen geht?“
Antworten kommen selten als Sätze.
Eher als Bilder.
Oder als Gefühl.
Oder als stilles Nicken.
Das reicht.
Am Ende
Die Schuhe lassen sich nicht mehr reparieren,
zumindest nicht so, dass sie wirken, als wären sie neu.
Sie erzählen Geschichte.
Sie zeigen Übergang.
Und solange ich noch gehen kann,
auch langsam,
auch schief,
ist das Leben nicht aus dem Leim gegangen.
Es ist lediglich dabei,
sich neu zusammenzuhalten.
Und das ist –
bei allem Ernst –
ziemlich menschlich.